Ein Schoko-Osterbilby

Australien: Osterhase ausgestorben!

10.04.2017
Kategorie: Taufrisch

Keine Osterhasen mehr in Australien. Ihr fragt Euch wieso? Nun gut, um das zu verstehen, fangen wir von vorne an. Nach der Entdeckung Australiens durch die Europäer im 18. Jahrhundert, wurde der „Südkontinent“ zunächst als Strafkolonie der Briten genutzt, um „die Unterschicht auszudünnen“ – und schickte bis zu 160.000 Kriminelle und Gefangene nach Australien. Aber die erste Kolonien brachten nicht nur Gefangene mit, sondern auch Tiere.

Über 30 einheimische Tierarten ausgestorben

Viele Tiere halfen bei  der Erschließung des damals noch „wilden“ Kontinents – bei dem rauen Gelände machten die Nutztiere ihrem Namen alle Ehre. Darunter vor allem Pferde und Rinder – und Kamele. Richtig gehört: Kamele in Australien. Wusstet ihr, dass dort mittlerweile etwa 1,2 Millionen Kamele beheimatet sind – und für Touristen sogar Kamelrennen veranstaltet werden? Eine Großzahl von Wasserbüffeln (ja, Wasserbüffel!) lebt im Norden des Kontinentes. All diese „importierten“ Tiere sind aber eine Gefahr für das sehr sensible Ökosystem Australiens, zum Beispiel durch Überweidung oder Verschmutzung. Seit der Besiedlung Australiens durch die Europäer, sind daher schon über 30 Tierarten ausgestorben und weitere 50 stehen kurz davor.

Kaninchen: „Schlimmer als alles andere“

Als noch viel schlimmer wird allerdings der Schaden durch Kaninchen angesehen. Die kleinen süßen Hoppler werden dort alles andere als gern gesehen. Ein Engländer namens Thomas Austin setzte Mitte des 19. Jahrhunderts exakt 24 Wildkaninchen in seinem Grundbesitz im Süden Australien aus – nur um diese zum Vergnügen später zu jagen und sich in der Fremde etwas heimischer zu fühlen. Da dort aber für Kaninchen optimale Lebensvoraussetzungen herrschen und zusätzlich wenige natürliche Feinde leben, vermehrten sich die Tiere rasend und wurden schnell zur Plage – trotz des mit 3.300 Kilometern extra gebauten „größten Zaunes der Welt“.

10 Milliarden Kaninchen: Plage!

Bereits im 20. Jahrhundert schätze man die Gesamtzahl von Kaninchen in Australien auf bis zu 10 Milliarden! Ein 1951 eingeführtes Virus raffte den Großteil der Hoppler hin – die wenigen, die überlebten, bildeten Antikörper und vermehrten sich weiter. So wuchs der Bestand in den 1980er Jahren wieder bis auf 400 Millionen Kaninchen an, die eine Erosion des Bodens verursachen oder auf Weideflächen beträchtlichen Schaden anrichten – kurz: Die große Anzahl der Kaninchen zerstört direkt oder indirekt Australiens Flora und Fauna. Der Schaden für Umwelt und Landwirtschaft durch Kaninchen wird heute auf bis zu 700 Mio. Euro pro Jahr geschätzt.

Osterhase? Nicht in Australien!

Kein Wunder also, dass sich die Australier wenig bis gar nicht auf den Osterhasen freuen. Deshalb entschied man sich dazu, dass nicht der Hase sondern ein Ersatztier für das Verstecken der Ostereier verantwortlich gemacht wird. Frei nach dem Motto „Bilbies, not bunnies“ starteten Naturschützer in den 1990er Jahren die „Bilby-Oster-Kampagne“, um den einheimischen Bilby als neuen „Eierverstecker“ zu etablieren.

Ein neuer „Eierverstecker“

Der Bilby ist ein Kaninchennasenbeutler mit großen Ohren und weichem Fell und ist rein optisch zumindest ein ähnliches Tier. Leider ist er vom Aussterben bedroht und steht unter Artenschutz – nicht zuletzt weil er durch die schier übermächtige Kaninchenkonkurrenz verdrängt wird. Und die Kampagne hatte Erfolg: Seit 1993 werden in den australischen Supermärkten Schokoladenbilbies verkauft, wobei ein Teil des Erlöses dem Schutz der Bilbies zu Gute kommt.

Osterhasen bei uns erwünscht

Spannende Geschichte von einem aufregenden Kontinent – hoffentlich mit einem kleinen Happy End für den Bilby. Und aus Solidarität mit den „Aussies“ können wir alle dieses Jahr ja vielleicht auch mal auf Kaninchen zu Ostern verzichten – vielleicht mit dem leckeren Lachs in Blätterteig oder unseren zarten Lamm-Medaillons. ;-)

Quellen: geo.de, zeit.de, australien-panorama.de

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