
Warum dieser Job für viele mehr als Arbeit ist...
Manche Berufe muss man selbst erleben, um sie wirklich zu verstehen. Helge Unterweg, neuer Kollege aus der Zentrale in Mettmann, begleitete einen Tag lang einen eismann-Handelsvertreter und gewann dabei spannende Einblicke in einen Beruf, der weit mehr ist als der Verkauf von Tiefkühlprodukten.
Einer wie keiner.
"Da ist alles drin, was du brauchst“, meint Christoph Blöming, kurz bevor er in seiner ansteckenden Art loslacht und schließlich die ganze Vertriebsstation in schallendes Lachen ausbricht.
Ich komme mir ein wenig vor wie der Lehrling in der alten Meica-Werbung. Vorausgegangen war meine Frage, wie die „Partysuppe“ (Art.-Nr. 35052) zu ihrem Namen gekommen ist.
Die ganze Vertriebsstation Witten duftet nach deftigem Eintopf, morgens um kurz nach acht, als ich dort aufschlage, um meine erste Mitfahrt bei einem Eismann anzutreten. Mehrfach wurde mir ein Teller des Eintopfes angeboten, der auf dem Herd in der Kaffeeküche der Vertriebsstation sanft simmert. Nach einem Blick auf die Uhr lehne ich allerdings dankend ab, da ich bereits zu Hause gefrühstückt hatte.
„Wir sind fast alle Köche hier“, erzählt Blöming, macht eine deutende Geste in die Runde – und die Augen beginnen zu glänzen. „Real recognize real“, würde man heutzutage wohl sagen.
Ich bin heute unterwegs, um Eindrücke zu sammeln. Um zu sehen, wie der Vertrieb bei eismann an vorderster Front funktioniert und um das Ganze hoffentlich in Bild und Wort festzuhalten. Als ich im Vorhinein von meinem Vorhaben erzähle, bekomme ich durchweg positive Reaktionen. „Die Mitfahrt wird sicherlich besonders“, bestätigt mir mein Tischnachbar Markus in Mettmann. Viele Kollegen aus der Zentrale pflichten ihm bei. Ich bin selbst noch ganz frisch im Unternehmen, bekomme jeden Tag neue Eindrücke, aber eines ist schnell klar: Ich freue mich sehr auf den Tag draußen im Vertrieb.


Bester Laune verlassen wir das Gelände im eismann-LKW. Wir sind „auf dem Bock“, wie es im Jargon heißt. Der Jargon spielt generell eine große Rolle – und er fasziniert mich. Ich habe anfangs das Gefühl, nur die Hälfte der Gespräche zu verstehen. Die HV (Handelsvertreter) sind auf dem Bock, wenn sie die VS (Vertriebsstation) verlassen. Der HV klärt die Route mit dem RVL (Regionalen Vertriebsleiter) ab.
Ich habe 1998 angefangen und wusste sofort: Das ist es!
Wir fahren durch Witten, eine Gegend, die mir völlig unbekannt ist, und Christoph steuert seinen LKW behände durch Straßen und Gassen. Er erzählt mir von Kunden, die wir gleich auf unserer Route anfahren, und es kommt mir eher vor, als würden wir alte Bekannte besuchen.
Zugegeben: Heute spielt uns alles in die Karten. Zum ersten Mal in diesem Jahr strahlt die Sonne, und Christophs Laune steckt an.
Heute liegt eine kürzere Tour vor uns, bestätigt er mir. Wir können uns also wirklich Zeit nehmen, mit den Kunden zu plaudern. Fast habe ich den Eindruck, dass das Geschäft ganz nebenherläuft. Die Kunden erzählen von ihren Enkeln oder Kindern. Auch er zeigt Bilder von seinem Skiurlaub. Es gibt Tipps für Unterkünfte und Wanderwege – in beide Richtungen. Christoph ist mit allen per du, und nebenher verkaufen wir „Knusperhörnchen“, „Seelachs“ und „Hähnchenschnitzel“. Es gibt OTPs – wieder so eine Abkürzung –, Produkte, die es für den Kunden „on top“ gibt, die Christoph so locker präsentiert und verkauft, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.


„Es sind natürlich nicht alle Tage so“, bestätigt er mir mit einem breiten Lächeln – der erste Kommentar, den ich ihm nicht abkaufe.
Vielleicht bin ich auf dieser Fahrt Christophs Fan geworden. Irgendwie erinnert er mich an den Eismann, der mich und meine Familie vor über 25 Jahren besucht hat. Ein nostalgischer Moment überkommt mich, wenn wir bei den Kunden stehen, und für einen Augenblick frage ich mich, ob ich meinen Job als Fotograf in der Zentrale an den Nagel hängen und selbst Eismann werden sollte.
Wir sind noch den restlichen Tag unterwegs – mit vielen glücklichen Kunden, erzählten Anekdoten und schönen Momenten.
Sowas erlebt man heutzutage kaum noch, wie ich finde. Und vielleicht gilt das, auf eine leise Art, auch für Typen wie ihn.
Ich habe den Tag im Vertrieb auf dem Bock und mit den Kunden sehr genossen.
Helge Unterweg
